GESCHLECHTSUNTERSCHIEDE beim Guppy

Sowohl bei den Wild- als auch bei den Zuchtformen lassen sich die Geschlechter sehr einfach und auch relativ früh erkennen. Weibchen zeigen den “Trächtigkeitsfleck” im Bereich über der Afterflosse, Männchen bilden ab ca. der dritten Lebenswoche das Gonopodium aus. Hierbei handelt es sich um das Begattungsorgan der Männchen, welches aus den mittleren Afterflossenstrahlen entsteht.

BESAMUNG/SPERMAÜBERTRAGUNG
Wer Guppys hält oder züchtet, wird oft Zeuge scheinbarer Begattungten, wobei das Männchen versucht, sein Gonopodium in die Geschlechtsöffnung des Weibchens einzuführen. Nähere Beobachtungen von Clark und Aronson haben jedoch gezeigt, dass ein Teil dieser Versuche nicht einmal zu einem Kontakt zwischen Männchen und Weibchen führt. Und selbst wenn ein “flüchtiger” Kontakt hergestellt werden kann, führt dies praktisch nie zu einer Spermaübertragung.
Diese erfolgt ausschließlich durch
- Kurzkopulation (mindestens jedoch 0,8 Sekunden Dauer), bei der das Weibchen stillhält oder
- Langzeitkopulation (1,3 bis über 2,4 Sekunden), wobei Männchen und Weibchen deutlich zusammenhängen.
Sowohl der Kurz- als auch der Langkopulation geht in der Regel die Sigmoidstellung des Männchens voraus (s-förmige Krümmung) und das Weibchen zeigt durch Stillhalten, oft auch durch ein “Gleiten” vor das Männchen und ein Durchbiegen der Wirbelsäule, dass es paarungsbereit ist.
Clark und Aronson haben 1061 Paarungsversuche durch Männchen beobachtet, davon waren
88% Nichtkontakt - “Berührungen” und 8% Kontaktstöße, das heißt, dass 96% der Paarungsversuche der Männchen NICHT zu einer Befruchtung führten! Die verbleibenden 4%, die mit einer Befruchtung endeten, verteilen sich auf 1,3% Kurzkopulationen und 2,7% Langzeitkopulationen.
Somit ist auch der Eindruck falsch, dass Weibchen die Paarung nur passiv erdulden bzw. dass eine Befruchtung Resultat des andauernden Werbens der Männchen ist. Vielmehr bestimmen die Weibchen durch ihr Verhalten, vor allem durch das Stillhalten vor und während des Kopulationsaktes, ob es zu einer Befruchtung kommt oder nicht.
Die Weibchen sind nach einer vorausgegangenen Geburt 3 bis 5 Tage paarungswillig, in dieser Zeit sondern sie auch Signalstoffe, Pheromone, ab. Überdies scheint auch die Populationsdichte einen Einfluss auf die Paarungsbereitschaft zu haben: Je dichter der Bestand, desto kürzer der Zeitraum der Paarungsbereitschaft.

VORRATSBEFRUCHTUNG UND STATISTISCHE DATENDas Sperma ist ca. 8, nach anderen Angaben bis zu 14 Monate lang, “haltbar” (nach Stallknecht reicht eine Befruchtung für bis zu 11 Würfe) -> dies gilt auch für noch nicht geschlechtsreife Weibchen, die nach Eintritt der Geschlechtsreife im Alter von ca. 90 Tagen durch die Vorratsbefruchtung trächtig werden können. Daher sind Jungfische so früh als möglich nach Geschlechtern zu trennen, wenn eine gezielte Zucht angestrebt wird.
Die Geburtsfrequenz beträgt bei einer Wassertemperatur von 22-25° fast genau 4 Wochen, allerdings unterliegt der zeitliche Abstand der Geburten vielerlei Schwankungen.
Auch die Anzahl der Jungen läst sich nicht pauschal angeben: Die ersten Würfe sind weniger ergiebig, je größer und stabiler das Weibchen, desto größer die Anzahl der Jungen pro Wurf. Mir ist ein Fall bekannt, in dem ein Weibchen ca. 160 Junge zur Welt gebracht hat, allerdings verstarb dieses bereits nach dem dritten Wurf.